
Ein unvergessliches Erasmus-Projekt zum Thema „Umwelt und Technik“
Unsere Schule in Bad Nauheim hatte in den vergangenen Tagen ganz besonderen Besuch: Im Rahmen eines Erasmus-Projekts durften wir 50 Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrkräfte unserer französischen Partnerklassen aus Caen begrüßen! Vorbereitet und durchgeführt wurde das Projekt auf französischer Seite maßgeblich durch die Deutschkollegin Hélène Doumenc, die seit über 20 Jahren den Austausch mit 7. bis 9.- Klässlern mit uns organisiert. Die Gäste, die für die Woche in der Jugendherberge in Oberreifenberg untergebracht waren, tauchten gemeinsam mit unseren Klassen 5a und 5c in eine ereignisreiche Zeit voller Naturerlebnisse, sportlicher Highlights, sprachlicher Entdeckungen und handwerklicher Teamarbeit ein.
Ein herzlicher Auftakt
Schon am ersten Tag startete das Projekt mit mehreren Highlights: Unser stellvertretender Schulleiter, Stefan Kurz, begrüßte die französischen Gäste feierlich an der Schule. Er wünschte allen, dass dieses Projekt ein voller Erfolg sein und den Beteiligten die zweisprachige Projektarbeit und die internationale Zusammenarbeit Spaß machen würde. Zum Willkommen gab es deutsche Süßigkeiten für die Kinder, die die Projektkoordinatorin von deutscher Seite, Sabine Baulig, überreichte.
Außerdem erhielten die Kinder eine französische Schulführung in Gruppen durch äußerst engagierte Schülerinnen und Schüler der E-Phase. Ein Aspekt war dabei vor allem die Umsetzung von Umweltschutz an unserer Schule.
Spiel, Sport und Spaß
Heiß her ging es bei Sport und Spielen. In den Sportstunden wurden große Völkerball- und Gefängnisball-Turniere ausgetragen. Hier spielten die Nationalitäten bunt gemischt Hand in Hand. Ein riesiger Spaß, bei dem es lautstarkes Anfeuern auf Deutsch und Französisch gab und der Teamgeist so richtig zusammengeschweißt wurde. 🏐⚡Eine große Gaudi mit gleichzeitigem Lerneffekt waren die gemeinschaftsfördernden Spiele mit jeweils einer französischen und einer deutschen Klasse, zum Teil mit Hilfe von Patinnen durchgeführt.
Ein Fest für die Sinne im Schloss Freudenberg
Ein absolutes Highlight der gemeinsamen Woche war der Ausflug ins Schloss Freudenberg am Mittwoch. Das Abenteuer begann direkt auf dem Barfußpfad mit einer tollen, erfrischenden Sinneserfahrung: Beim Gehen über die kalte, feuchte und weiche Erde des Waldbodens lernten die Schülerinnen und Schüler, dass der Boden im Wald durch seine dunkle Farbe viel mehr Feuchtigkeit speichert, genau das richtige Umfeld für die Hauptdarsteller unserer Führung: Noch während die Kinder barfuß den Pfad erkundeten, startete die faszinierende, zweisprachige Führung zum Thema Schnecken. Die Kinder lernten die Welt aus einer völlig neuen Perspektive kennen – nämlich aus der Sicht einer Schnecke! Da die kleinen Tiere direkt auf dem Boden kriechen und nicht hören können, nehmen sie ihre Umwelt ganz anders wahr als wir: Sie riechen und tasten sich behutsam voran. Ein unvergesslicher Moment war es, als die Kinder die Schnecken sogar vorsichtig anfassen und auf ihren eigenen Händen kriechen lassen durften! Ganz nebenbei wurde auch der Wortschatz erweitert: Die Kinder lernten, dass eine Schnecke mit Haus auf Französisch „escargot“ heißt, während eine Nacktschnecke als „limace“ bezeichnet wird. Biologisch wurde es ebenfalls spektakulär, als die Gruppe erfuhr, dass Schnecken Hermaphroditen (Zwitter) sind und sogar ihr Geschlecht wechseln können.
Eine weitere Gruppe beschäftigte sich intensiv mit Bienen und Insekten, entdeckte die Welt der vielen Insekten, Fliegen, Spinnen und Bienen, die auf der großen Wiese leben und erfuhr allerhand Lehrreiches. Mit einem Fangnetz wurden die kleinen Tiere eingefangen und der Umgang mit ihnen sowie das beruhigende Fernhalten von ihnen geübt, ohne sie zu verletzen. Besonders spannend war der Besuch des Bienentempels.
Eine dritte Gruppe erfuhr eine Menge über die neue Generation und ihre Wälder. Sie verbrachten eine Weile auf der Lichtung im Zukunftswald, untersuchten alte, mittelalte, junge Bäume, Sämlinge und Setzlinge, lernten einen Baum zu lesen und erfuhren, dass Bäume auch fühlen und kommunizieren können.
Das Thema der vierten Gruppe war die lebensschaffende, lebenserhaltende und lebensbedrohende Kraft des Wassers. Hier wurde experimentiert ohne Hinweis, Anweisung, Aufforderung oder Vorgabe. Hautnah wurde spürbar: Wasser drückt, schiebt, saugt, pulsiert und schwingt. Wasser kann hart und weich sein. Experimente an einem Wasserstrudel, an einer großen Wasserschale und an einer Wasserkaskade rundeten die Sinneserfahrung ab.
Kreativität und Artenschutz
Auch in der Schule wurde das Erasmus-Motto „Umwelt und Technik“ tatkräftig in die Tat umgesetzt. Aufgeteilt in verschiedene Workshops zeigten die deutschen und französischen Kinder vollen Einsatz:
Die Kreativ- und Sprachgruppe: Hier wurden zunächst Poster zum Thema Umweltschutz gestaltet. Die Kinder erarbeiteten darauf wichtige ökologische Leitsätze und übersetzten sie direkt in die jeweils andere Sprache. Botschaften wie „Sois gentil avec les animaux“ (Sei nett zu Tieren), „Économisez l'électricité“ (Spart Strom) oder „Ne pas jeter de déchets dans la nature“ (Keinen Müll in die Natur werfen) wurden dann auf Karten übertragen, die als kreative Kunstwerke in Form einer Wimpelkette das Schulhaus in Caen schmücken sollen.
Die Handwerksgruppe: Mit großem Eifer und handwerklichem Geschick wurden parallel drei riesige Insektenhotels gebaut, um einen aktiven Beitrag zum Schutz von Insektenwiesen („les prairies fleuries“) zu leisten. Eines der Hotels wird künftig unseren Schulpark bereichern, während die beiden anderen die Reise nach Frankreich antreten, um dort in dem parkähnlichen Teil des Schulhofs unserer Partnerschule in Caen ein neues Zuhause zu finden. 🐝🔨
Ein emotionaler Abschied: Freundschaften, die bleiben
Was uns als Schulgemeinde jedoch am meisten berührt hat, war das großartige Zwischenmenschliche. Ob bei den großen gemeinsamen Spielen in unserem Park, beim Völkerball oder beim gemeinsamen Werkeln: Es war wunderschön zu beobachten, wie lebendig die deutsch-französische Freundschaft in dieser kurzen Zeit gewachsen ist. Sprachbarrieren wurden im Nu weggelächelt.
Der Abschied machte schließlich deutlich, wie tief die Verbindung zwischen den Kindern nach dieser Woche war: Viele Schülerinnen und Schüler tauschten gegenseitig ihre Adressen aus und überreichten sich kleine Geschenke. Besonders berührend waren die Abschiedsbriefe, die die Kinder im Vorfeld mit viel Mühe und der tatkräftigen Unterstützung ihrer Lehrerinnen in die jeweils andere Sprache übersetzt hatten. 📝❤️
Ein riesiges Dankeschön gilt allen Beteiligten, den engagierten Lehrkräften aus Deutschland und Frankreich, unseren wunderbaren, teilweise zweisprachigen, Führern im Schloss Freudenberg und nicht zuletzt dem französischen Busfahrer Serge, bei dem wir uns alle absolut sicher gefühlt haben („Nous nous sommes sentis très en sécurité avec vous“).
Dieses Erasmus-Projekt war ein rundum fantastischer Erfolg – und wir hoffen alle schon jetzt auf eine baldige Fortsetzung!



